Die Entstehung der Grötzinger Feuerwehr

Die Geburtsstunde vieler Feuerwehren war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als beschlossen wurde, Feuerrotten einzuteilen und zu ordnen. Man erkannte, dass die Pflichtfeuerwehr aufgrund der bisherigen Vorschriften keinen ausreichenden Brandschutz betreiben konnte.

Verantwortungsbewusste Bürger schlossen sich deshalb damals als Feuerwehr zusammen.

Die erste Feuerwehr wurde 1841 in Meißen gegründet, im Südwesten waren die ersten Feuerwehren in Durlach 1846 und Karlsruhe 1847. Weitere folgten, z.B. 1852 Esslingen und 1856 in Nürtingen.

Auch in ländlichen Gemeinden traten immer mehr Männer zusammen, um mit dem Aufbau des Feuerlöschwesens zu beginnen. So sind aus dem Jahre 1866 verschiedene Aufzeichnungen des Grötzinger Feuerlöschwesens vorhanden. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Ideen und Gedanken, in dem damals 920 Einwohner zählenden Städchen, eine Feuerwehr zu gründen.

"In jeder Stadt und in jedem Marktflecken und größerem Dorfe sollen, wenn es daran noch fehlte, wo nicht zwei, doch wenigstens eine große, auf Wagen und Räder stehende gute Feuerspritze mit den dazu gehörigen Schläuchen und Seihkörben angeschafft werden"-"Eben so sollen noch insbesondere für bedeutende öffentliche herrschaftliche und Commund-Gebäude Hanspritzen angeschafft werden, und so ist zu erwarten, dass vermögliche Privatpersonen, werlche kostbare Wohnungen besitzen, sich gleichfalls damit versehen."-"Die Spritzen müssen alle Vierteljahr probiert, die ledernen Schläuche derselben müssen öfters eingeschmiert, und von Ratten und Mäusen wohl verwahrt, insbesondere aber muss des Winters das Einfrieren der Ventile auf jede thunliche Weise verhindert werden." (Feuerlösch-Ordnung 1808)

 Die Überall entstehenden Feuerwehren schlossen sich bald in Länderverbänden zusammen. Den Anfang machte Württemberg, nachdem der Ulmer Conrad Dietrich Magirus die Vertreten der Feuerwehren in einer ersten Zusammenkunft im Juli 1853 nach Plochingen eingeladen hatte. Als Folge wurde 1863 in Stuttgart der Württembergische Landesfeuerwehrverband gegründet.

Beflügelt von solchen Ereignissen beschlossen die bürgerlichen Kollegien in Grötzingen ebenfalls, Feuerrotten eizuteilen und zu ordnen; es bestand ja noch die allgemeine Feuerlöschdienstpflicht für die erwachsenen männlichen Bürger in Grötzingen.

"Jeder neu aufgenommene Bürger und jeder Bürgersohn, sobald er sich heirathet, hat sich einen guten, wohl verpichten Feueraimer anzuschaffen und denselben auf dem Rathaus abzuliefern. Die Ortsvorgesetzten sollen jedoch keinen annehmen, von welchem vorauszusehen ist, dass er bald unbrauchbar werde ud das Wasser nicht halte, auch jeden auf eine kenntliche Weise mit dem Stadt- oder Dorfzeichen versehen zu lassen." "Es darf von dem neuen Bürger nicht das Geld statt des Feueraimers eingezogen werden, indem nach der Erfahrung dasselbe doch nicht seinem Zweckgemäß verwendet wird." (Feuerlösch-Ordnung 1808)

Die Männer mussten beim Ertönen des Feuerhorns oder der Feuerglocke schnellstens zum Brandplatz gehen und sich in die Eimerkette einreihen. Der Löscheimer war immer noch das wichtigste Löschgerät in Grötzingen.

Ein Jahr später war es dann soweit. Im Jahre 1867 lag die Zusage des Bürgerausschusses  und des Gemeinderates der Stadt Grötzigen vor; man war sich einig, dass in Grötzingen die Feuerwehreinrichtung neu aufgebaut und organisiert werden musste. Da der Löscherfolg mit der Eimerkette nicht besonders groß war und zwischenzeitlich brauchbare Feuerspritzen gebaut wurden, beschloss man, für Grötzingen eine Feuerspritze zu beschaffen. Mit diesen Spritzen war es immerhin schon

möglich, aus einer entprechenden Entfernung einen Wasserstrahl auf die Höhe der ersten Stockwerke zu bringen - ein großer Vorteil gegenüber der Eimerkette. Befüllt wurde die Spritze mittels Bütten, Eimer und Schapfen.